ABAS ist eine Anlaufstelle bei Essstörungen unter der Trägerschaft des MädchenGesundheitsLaden e.V.
sind mit ihrer speziellen Problematik in den letzten Jahren immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Es gibt vielfältige Informationen und Behandlungsmöglichkeiten - eine Orientierung ist da nicht immer einfach. Viele Betroffene und Angehörige sind auf der Suche nach einem für sie geeigneten Angebot.
Der MädchenGesundheitsLaden e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ABAS eine zentrale Anlaufstelle für diese ernst zu nehmenden Störungen, die einer fachlichen Beratung und Behandlung bedürfen, zu schaffen - um Wege zu verkürzen und Verzögerungen bei der Behandlung zu vermeiden.
ABAS gibt Orientierung und Unterstützung bei der Suche nach einem Behandlungs- und damit auch Heilungsweg der Essstörung.
Klärung in Bezug auf Behandlungsangebote
Hilfestellung bei notwendigen Handlungsschritten
Motivationsfördernde Beratung
Denn eine möglichst frühe Behandlung erweist sich als günstig für den
Heilungsprozess.
Ab wann bin ich essgestört?
Was kann ich tun?
Welche Hilfsangebote an ambulanter Beratung/Therapie, stationärer Behandlung, Einzel- oder Gruppenangebote gibt es?
Hier können Informationen über Essstörungen und deren ambulante oder stationäre Behandlungsmöglichkeiten erfragt werden.
ABAS informiert auch über aktuelle Veranstaltungs- und Gruppenangebote in Stuttgart und in der Region. Beides kann telefonisch oder per E-Mail erfragt werden.
Betroffene können eine erste diagnostische Einschätzung erhalten, Beratungs- und Therapiemöglichkeiten klären und motivationsfördernde Unterstützung bekommen.
Eltern, Angehörige und Fachdienste können sich über Interventionsstrategien und Möglichkeiten des Umgangs mit der Essstörung beraten lassen.
Wir kooperieren mit Ärztinnen und Ärzten.
Für Eltern, deren Tochter oder Sohn eine Essstörung entwickelt hat, besteht die Möglichkeit an einer Elterngruppe teilzunehmen. Diese gibt Raum zum Austausch mit anderen betroffenen Eltern, regt zu veränderten Verhaltensweisen in der Familie an und bietet Impulse sich selbst in der Krise nicht zu verlieren.
"Jetzt iss doch endlich mal wieder normal"
Wenn in einer Familie ein Mädchen von einer Essstörung betroffen ist, wirkt sich dies auch stark auf die ganze Familie aus. Auf Seiten der Eltern gibt es häufig Unsicherheiten, wie sie mit der konkreten Situation umgehen sollen. Auf der einen Seite machen sie sich Sorgen und fühlen sich im Umgang mit der Tochter oft hilflos oder auch machtlos. Es stellt sich die Frage, wie eine sinnvolle Unterstützung aussehen kann.
ab Mittwoch, 29.01.2003, 10 Abende, jeweils 19.30 bis 21.30 Uhr, 14-tägig
eine Anmeldung ist erforderlich
MädchenGesundheitsLaden e.V.
Nähere Informationen und Termine können telefonisch erfragt werden.
Der Arbeitskreis Essstörungen ist ein Zusammenschluss von VertreterInnen psychosozialer Beratungsstellen, freiberuflichen TherapeutInnen und stationären Einrichtungen zur Vernetzung und Verbesserung der Versorgungsstrukturen in Stuttgart.
Betroffene können eine erste diagnostische Einschätzung erhalten, Beratungs- und Therapiemöglichkeiten klären und motivationsfördernde Unterstützung bekommen.
Wir kooperieren mit Ärztinnen und Ärzten.
Eltern, der Angehörige und Fachdienste können sich über Interventionsstrategien und Möglichkeiten des Umgangs mit der Essstörung beraten lassen.
Di. 9.00 - 12.00 Uhr, Do. 14.00 - 17.00 Uhr
Tel. 0711-12 00 69 69
Eine persönliche Erstberatung kann telefonisch vereinbart werden.
ABAS
Anlaufstelle bei Essstörungen
Kornbergstr. 17
70176 Stuttgart
Tel. 0711-120069 90
Fax 0711-120069 91
Öffentliche Verkehrsmittel:
Straßenbahn Linie U2, Halt Hölderlinplatz
Bus 42, Halt Rosenbergplatz
Telefonzeiten:
Di. 9.00 - 12.00 Uhr
Do. 14.00 - 17.00 Uhr
ABAS ist eine Anlaufstelle bei Essstörungen unter der Trägerschaft des MädchenGesundheitsLaden e.V.
Die Anlaufstelle wird mit einem Zuschuss von 50% durch die Stadt Stuttgart gefördert.
ABAS ist auf Spenden angewiesen, um die notwendigen Eigenmittel zu finanzieren. Wir freuen uns über jede Unterstützung durch Firmen, Privatpersonen und Vereine.
Bankverbindung
MädchenGesundheitsLaden Sonderkonto ABAS
Landesbank Baden-Württemberg
BLZ: 600 501 01
Konto-Nr.: 24 30 087
Adipositas bedeutet Fettleibigkeit, was in erster Linie auf starkes Übergewicht und nicht auf eine psychische Störung verweist. Aus diesem Grund wird sie auch nicht im DSM-IV als psychische Störung beschrieben. Zudem handelt es sich weder um eine pubertätsspezifische noch geschlechtsspezifische Essstörung.
Wir stellen sie an dieser Stelle vor, da ihr im pädagogischen Alltag viel Aufmerksamkeit zukommt und sie auffallend stark mit Vorurteilen belastet ist.
Bei der Betrachtung der Adipositas ist es daher unerlässlich, die Betroffenen in zwei Gruppen zu unterteilen.
Zur der ersten Gruppe zählen Übergewichtige ohne wesentliche Leidensmerkmale. Sie waren meist schon als Kind übergewichtig und fühlen sich mit ihrem Übergewicht eingebunden in eine entsprechende Familientradition. Sie essen regelmäßig zu viel mit einer gewissen Vorliebe für Süßes und hochkalorische Nahrungsmittel. Der Wunsch nach einer Gewichtsreduktion entsteht nur auf gesellschaftlichen Druck hin.
Bei der zweiten Gruppe besteht ein deutlicher Leidensdruck. Die Betroffenen haben einen starken Behandlungswunsch, andererseits eine Vielzahl von Diätversuchen und -abbrüchen hinter sich, und das Leben wird in einem großen Maße vom Essen beherrscht.
Trotz zahlreicher Erhebungen schwanken die Angaben darüber, wie stark Adipositas verbreitet ist, beträchtlich. Man schätzt jedoch, dass bei 12 bis 18 % der erwachsenen Bevölkerung ein BMI von 30 oder höher vorliegt, wobei der Anteil der Frauen geringfügig höher liegt als der der Männer.
Da die höchste Prävalenz in der Altersgruppe zwischen 54 und 65 Jahren zu beobachten ist, müssten die Zahlen für Jugendliche deutlich darunter liegen. Die Adipositas kann schon im Kindesalter beginnen, geht jedoch nur in 33 % aller Fälle in eine Adipositas im Erwachsenenalter über. Je älter jedoch die/der Jugendliche zu Beginn der Adipositas ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Manifestierung im Erwachsenenalter.
Eine Adipositas im Kinder- und Jugendalter ist in der Regel multifaktoriell bedingt. Der größte Risikofaktor sind übergewichtige Eltern, wobei hier genetische Faktoren neben familiären Ernährungsgewohnheiten und Verhaltensweisen eine größere Bedeutung haben, als bislang angenommen wurde.
Als zusätzliche Risikofaktoren gelten niedrige soziale Schichtzugehörigkeit, Einzelkindstatus, geringe körperliche Aktivität und fettreiche Ernährung.
Von Übergewicht wird bei einem BMI von 25 29 gesprochen.
Eine Adipositas beginnt bei einem BMI von 30.
Liegt der BMI bei 40 und höher, spricht man von einer extremen Adipositas.
Der Begriff Esssucht (psychogene Adipositas) verweist darauf, dass die Betroffenen unter ihrem Essverhalten und Körperumfang leiden, unabhängig von der Höhe des Übergewichts.
Dicke Kinder und Jugendliche lösen in unserer Gesellschaft intensive moralische und abwertende Reaktionen aus. Die Mädchen und Jungen werden für ihr Übergewicht selbst verantwortlich gemacht, und ihr Dicksein wird mit negativen Charaktereigenschaften assoziiert. Sie gelten als träge, willensschwach, inaktiv etc. und werden z.B. auch bei der Suche nach einem Ausbildungs- und Arbeitsplatz benachteiligt. Die negativen Reaktionen der Umwelt erschweren es den Heranwachsenden, gleich- und gegengeschlechtliche Freundschaften aufzubauen, ein positives Körpergefühl und ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Ganz im Gegenteil, es löst bei den Betroffenen Verhaltensweisen aus, die ihrerseits wieder als Erklärung für Ausgrenzung herangezogen werden.
Das Essverhalten wechselt zwischen restriktiven Phasen und Essanfällen, die von den meisten Betroffenen als nicht kontrollierbar beschrieben werden.
Das Essverhalten löst Schuld- und Schamgefühle aus und die Betroffenen werten sich ab. Infolge davon können Depressionen entstehen.
Ablehnung der eigenen Körperlichkeit und ein ambivalentes Verhältnis zur eigenen Sexualität. Sexualität mit Anderen wird häufig gar nicht gelebt.
Das Fett stellt einen Panzer dar und dient zur Abwehr eigener Gefühle und zur Abgrenzung auf Reaktionen der Umwelt.
Es lassen sich drei Gruppen bezüglich des Essverhaltens unterscheiden;
kontinuierliche MehresserInnen,
NachtesserInnen; sie zeigen tagsüber oft ein restriktives Essverhalten und entwickeln nächtliche Hungergefühle. Oftmals leiden sie unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, was wiederum auf eine latente Depression verweist.
RauschesserInnen; sie leiden unter unkontrollierbaren Heißhungeranfällen. Das Essen wird in einer bestimmten Zeit (weniger als zwei Stunden) meist alleine verschlungen.
Die Körpersignale werden unangemessen wahrgenommen, z.B. können Gefühle von Hunger und satt sein kaum differenziert werden. Es kann auch nicht unterschieden werden, ob sie Hunger nach emotionaler oder körperlicher Nahrung haben. Positive und negative Gefühle wie Freude, Langeweile, Trauer, Aggression etc. können nicht adäquat beschrieben werden.
Esssüchtige haben, wie auch AnorektikerInnen, Körperschemastörungen. Der Körper wird als unförmiges Etwas erlebt, und die tatsächliche Figur kann nicht wahrgenommen werden.
Esssüchtige wirken oft passiv, gesetzt und sozial isoliert. Als Folge dieser Symptomatik ziehen sich Esssüchtige sozial zurück und glauben, wegen ihres Körperumfangs auf alle Spaß machenden Aktivitäten verzichten zu müssen. Sie leiden unter Bewegungsmangel und mit fortlaufender Dauer wird das Essen immer mehr als Problemlösungsstrategie verwandt.
Das eigentliche Leben wird auf später verschoben auf die Zeit, wenn das Mädchen/ die Frau endlich schlank ist. Denn dann, so der sehnsüchtige Wunsch und die feste Überzeugung, werden sich auch alle anderen Probleme automatisch lösen. Diese Herangehensweise verhindert, Verantwortung für die aktuelle Situation zu übernehmen und Bereitschaft für Veränderungen zu entwickeln.
Die Adipositas gilt als chronisches Krankheitsbild als extrem resistent gegen Therapieversuche und hat eine hohe Rückfallquote. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass nur eine langjährige Behandlung erfolgversprechend ist. Kurzfristige Diäten, die zwar vordergründig zu einer schnellen Gewichtsabnahme führen, sich aber anschließend durch eine Gewichtszunahme auszeichnen, enttäuschen und frustrieren vor allem Jugendliche und mindern deren Motivation für weitere Maßnahmen. Wichtig ist es, bei der Behandlung realistische Ziele zu setzen. Eine adipöse Jugendliche wird nur selten eine Erwachsene, deren Körper den herrschenden Schlankheitsnormen entspricht und das soll sie auch gar nicht. Gelingt es Jugendlichen, ihr Gewicht über einen längeren Zeitraum hinweg stabil zu halten, kann man dies bereits als Erfolg ansehen. Als weitere Erfolge zählen, wenn Adipöse ihr Übergewicht akzeptieren und es gelingt, das Selbstwertgefühl der Betroffenen aufzubauen und zu stabilisieren. In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass körperliche Folgeerkrankungen nicht vom BMI allein, sondern viel mehr durch die Art des Übergewichts (durch Muskel- oder Fettmasse), die Fettverteilung im Körper und die Ernährungsart (z.B. salzreich oder salzarm) bestimmt wird.
Eine Adipositas im Jugendalter trägt ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheitsbilder wie
erhöhter Blutdruck,
erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Krebsarten im Erwachsenenalter,
Herz- und Gefäßerkrankungen,
Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes.
Es kann bereits im Jugendalter zu Gelenkerkrankungen kommen.
Der Begriff Anorexie bedeutet im ursprünglichen Wortsinn »Appetitlosigkeit«, was eine unzutreffende Beschreibung ist. Die deutsche Bezeichnung Magersucht beschreibt das Phänomen besser, da das zentrale Merkmal der Wunsch nach übertriebener Schlankheit verbunden mit extremer Angst vor einer Gewichtszunahme ist. Teilweise wird auch der Begriff Pubertätsmagersucht verwendet, was auf das Lebensalter der meisten Betroffenen verweist.
Das Körpergewicht liegt mindestens 15 % unter dem erwarteten, altersentsprechenden Gewicht (BMI unter 17,5). Es kann sich entweder um Gewichtsverlust oder um ein nie erreichtes Gewicht handeln.
Die Beeinflussung des Körpergewichts erfolgt durch extreme Nahrungsreduktion, durch übertriebene sportliche Aktivität, u.U. auch durch Appetitzügler- und Diuretikamissbrauch (Entwässerungsmittel) und selbst induziertes Erbrechen.
Gewicht und Figur werden verzerrt wahrgenommen. Die Betroffenen erleben sich selbst noch bei Untergewicht als zu dick. Sie können die eigene Figur nicht realistisch wahrnehmen.
Es besteht eine intensive Angst, zuzunehmen.
Die Menstruation bleibt in drei aufeinander folgenden Zyklen aus (sekundäre Amenorrhoe) bzw. bei Beginn vor der Pubertät werden die pubertären Entwicklungen verzögert oder gehemmt, die Menarche tritt nicht ein (primäre Amenorrhoe).
a) konsequent nahrungsverweigernder Typ (restriktiver Typ)
b) periodisch Heißhungeranfälle oder kompensatorische Maßnahmen zur Gewichtsregulierung (bulimischer Typ, auch purging-Typ genannt)
Die Magersucht ist die älteste der derzeit bekannten Essstörungen; als eigenständiges Krankheitsbild existiert sie seit ungefähr 100 Jahren.
Wenngleich die Forschungsergebnisse kein einheitliches Bild abgeben, geht man davon aus, dass ca. 1 bis 2 % der Mädchen und jungen Frauen betroffen sind und bei weiteren 4 % leichtere Symptome feststellbar sind. Die Zahl der Magersüchtigen bzw. derjenigen, die deshalb eine Therapieeinrichtung aufsuchten, hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht.
Eine extrem erhöhte Auftretenswahrscheinlichkeit ist bei Ballettschülerinnen, Kunstturnerinnen, Eiskunstläuferinnen etc. zu beobachten.
Magersucht kann bereits ab dem 10. Lebensjahr auftreten, der Erkrankungsgipfel liegt bei 17 Jahren. Magersucht ist mitunter aber auch in späteren Lebensjahren beobachtbar.
95 % aller Magersüchtigen sind weiblich.
Magersüchtige gehören mehrheitlich der oberen Mittelschicht an.
Magersüchtige sind leistungsorientiert, haben oft hohe Ansprüche an ihre schulischen Erfolge (was sich allerdings im späteren Verlauf ändern kann), sind oft überdurchschnittlich begabt. Sie leiden dennoch oft unter Versagensängsten und erleben insofern die Kontrolle über ihr Gewicht als Leistung.
Ihr zwanghaftes Bestreben, immer weiter an Gewicht abzunehmen, bringt sie auch zu motorischen Hochleistungen. Ziel ist, durch exzessiven Sport Kalorien zu verbrennen und abzunehmen. Die Waage wird zur wichtigsten Kontrollinstanz.
Trotz weitgehender Essensverweigerung kreisen die Gedanken unablässig um Essen und Kalorien (viele lesen z.B. ständig Kochbücher). Sie bekochen gerne andere und animieren sie regelrecht zu essen. Gerade durch ihre intensive Beschäftigung mit Essen fällt es anfangs oft gar nicht auf, dass sie selbst nicht mitessen.
Sie selbst nehmen nur niederkalorische Nahrung zu sich (z.B. eine Möhre, Apfel), haben insbesondere vor allem Fetthaltigen regelrecht Panik.
Magersüchtige verlieren die Fähigkeit, auf Körpersignale angemessen zu reagieren. Hungergefühle, Temperaturreize oder Müdigkeit (auch sexuelle Empfindungen) werden unterdrückt oder kaum wahrgenommen. Der erlebten Schwäche begegnen sie sogar mit besonderer Härte und vermehrten sportlichen Anstrengungen.
Es werden oft ausgeprägte Zwänge und Rituale beobachtet, die sich meist, aber nicht nur auf Essenssituationen beziehen (z.B. nur Speisen einer bestimmten Farbe zu sich nehmen).
Anfänglich wird die Magersucht von euphorischen Gefühlen begleitet, die Fähigkeit, auf Essen verzichten zu können, führt zu Überlegenheitsgefühlen. Dadurch wirken die Mädchen mitunter arrogant und isolieren sich schließlich. Je mehr jedoch der körperliche Verfall voranschreitet, desto mehr sind depressive Symptome bis hin zu Suizidgedanken zu beobachten.
Magersüchtige reagieren sehr empfindlich auf Zurückweisung und sind sehr streng mit sich und anderen. Häufig können sie eigene Gefühle nicht beschreiben.
Das starke Untergewicht wird häufig durch weite oder mehrschichtige Kleidung kaschiert.
Magersüchtige zeigen oft bis zum körperlichen Zusammenbruch keine Einsicht in die Bedrohlichkeit ihres Zustands. Sie verleugnen (nach außen) die körperlichen und seelischen Signale. Ihr Selbstwert und ihre Identität scheinen nur noch an ihr Gewicht gekoppelt zu sein, und eine Gewichtszunahme käme insofern einem Verlust ihres Selbst gleich.
Magersucht ist sozusagen die einzig wirksame Methode, die Pubertät aufzuhalten oder gar umzukehren. Erwachsenwerden und sexuelle Gefühle scheinen für diese Mädchen also bedrohlich und unaushaltbar zu sein.
Die körperlichen Folgeschäden sind gravierend und treten teilweise bereits schnell nach Beginn der Magersucht auf. Insbesondere sind zu nennen:
Ausbleiben der Menstruation, sofern nicht hormonelle Verhütungsmittel eingenommen werden.
Anhaltende Menstruationsstörungen, Störungen der Fruchtbarkeit.
Osteoporose, wobei die Gefahr steigt, je früher die Amenorrhoe nach der Menarche (erste Periode) einsetzt und je länger die Magersucht andauert.
Allgemeiner Kräfteverfall und Auszehrung, häufiges Frieren.
Herz-Kreislauf-Störungen, Ohnmachtsanfällen, verlangsamte Herzfrequenz, Schrumpfung des Herzmuskels, Störungen im Magen-Darm-Bereich, Nierenschäden, Elektrolytstörungen.
Trockene, schuppige Haut, flaumartige Behaarung (Lanugobehaarung Ganzkörperbehaarung), Kopfhaarausfall, brüchige Nägel.
Ca. 5 % der Betroffenen sterben an den unmittelbaren oder langfristigen Folgen ihrer Magersucht. Diese Zahl steigt deutlich an, wenn keine Behandlung aufgenommen wird.
Magersucht ohne therapeutische Behandlung zu überwinden, scheitert in der Mehrzahl der Fälle. Selbst wenn sich das Gewicht wieder auf ein ungefährliches Maß erhöht, bleiben die psychischen Begleiterscheinungen erhalten. Wird aber eine Behandlung aufgenommen, so werden
für 50 % gute Heilungschancen,
bei 30 % zumindest eine Besserung,
bei 20 % jedoch eine Chronifizierung der Symptomatik beschrieben.
Der Name Bulimie (Bulimia nervosa/ Ess-Brech-Sucht) leitet sich aus dem griechischen von bous = Ochse und limos = Hunger ab. Bulimie bedeutet also Stierhunger, im übertragenen Sinne auch verzehrender Hunger. Die Bulimie gilt als relativ junge Krankheit und wurde in der wissenschaftlichen Literatur erstmals 1979 beschrieben, da allerdings noch im Kontext der Magersucht und zwar als eine ihrer Unterformen bzw. möglichen Ausgänge. Als eigenständige Krankheit ist sie seit 1980 anerkannt. Ebenso wie die Magersucht ist auch die Bulimie eine mädchen- bzw. frauenspezifische Krankheit.
Das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Erkrankten liegt bei 10 : 1, d.h. 90 % aller Erkrankten sind Mädchen und Frauen, wobei man vermutet, dass der Anteil von Jungen und Männern anwächst.
Es wird davon ausgegangen, dass die Häufigkeit der Bulimie zunimmt und die Zahl der Erkrankten 2- bis 3-mal höher liegt als bei der Magersucht, was wiederum bedeutet, dass 2 bis 4 % aller jungen Frauen an Bulimie erkranken. Die Dunkelziffer bei der Bulimie wird als sehr hoch eingeschätzt.
Bulimie tritt in allen sozialen Schichten auf, wobei eine Häufung bei Mädchen und Frauen aus höheren sozialen Schichten beobachtbar ist.
Bulimische Erkrankungen treten vor allem in städtischen Ballungsräumen auf. Symptomatik
Zentrales Merkmal sind die Heißhungerattacken. Zunächst treten sie alle paar Tage, später täglich oder sogar mehrmals täglich auf. Hierbei werden zwischen 3.000 und 20.0000 kcal aufgenommen. Die Nahrung wird schnell und suchtartig verschlungen. Der Heißhungeranfall wird meist zeitlich geplant, heimlich zelebriert, und es werden Vorkehrungen getroffen, damit die Betroffenen nicht überrascht werden können. Teilweise gelingt es aber auch, das Essverhalten über Tage hinweg streng zu kontrollieren oder völlig symptomfrei zu leben, insbesondere bei positiven Veränderungen im Leben der Betroffenen.
Wiederkehrende Episoden von Heisshungerattacken, das heißt, rascher Verzehr großer Nahrungsmengen in relativ kurzer Zeit, gewöhnlich weniger als zwei Stunden.
Das Gefühl, das Essverhalten während der Essanfälle nicht unter Kontrolle halten zu können.
Beendigung der Essanfälle durch selbstinduziertes Erbrechen und/oder Gebrauch von Abführmitteln (Laxantien).
Wiederkehrendes ungeeignetes Verhalten, um einer Gewichtszunahme entgegen zu steuern, wie strenge Diäten oder Fastenkuren.
Einnahme von Appetitzüglern, Diuretika oder Schilddrüsenpräparaten.
Übermäßige körperliche Betätigung.
Durchschnittlich mindestens zwei Essanfälle pro Woche über einen Mindestzeitraum von drei Monaten.
Andauernde übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht.
Gewichtsphobie und/oder krankmachende Handlungsmuster im Umgang mit Nahrung.
Während der Attacken können über die Hälfte der Betroffenen die Nahrungsaufnahme überhaupt nicht kontrollieren, ca. 25 % gibt an, teilweise Kontrolle zu haben. Gegessen werden hauptsächlich kalorienreiche Nahrungsmittel, die sie sich im sonstigen Alltag verbieten: Süßigkeiten, Eis, Kuchen, Kekse, Toastbrot, Torten etc., also so genannte Dickmacher. Außerhalb der bulimischen Episoden legen die Betroffenen großen Wert auf eine gesunde Ernährung.
Ein weiteres Merkmal ist das Erbrechen. 2/3 der Betroffenen erbrechen regelmäßig im Anschluss an eine Heisshungerattacke, manchmal auch mehrmals hintereinander, bis der Magen vollständig entleert ist. Die Hälfte der Bulimikerinnen nimmt Abführmittel, 2/3 Appetitzügler. Zudem gibt es Bulimikerinnen, die unabhängig von Essanfällen jede Mahlzeit erbrechen.
Das Erbrechen haben die Betroffenen auf verschiedene Weise entdeckt einige ganz alleine für sich, durch Tipps aus Zeitschriften, die meisten jedoch auf Ratschläge von Bezugspersonen.
Als Auslöser für einen Essanfall wird meist »das unwiderstehliche Verlangen nach Essen« beschrieben. Die Betroffenen berichten, unmittelbar vor einem Anfall folgende Gefühle zu empfinden: Spannungszustände, Isolation, Frustration, Langeweile, Angst, Wut, innere Leere.
Um Spannungszustände abzubauen, kann es zusätzlich zu selbstverletzendem Verhalten kommen (Schnittverletzungen, Zufügen von Brandwunden etc.)
Viele Betroffene überprüfen ständig (zum Teil mehrmals täglich) ihr Gewicht. Häufig ist zu beobachten, dass sie ein bestimmtes Gewicht anstreben, das ca. 5 bis 10 kg unter dem aktuellen Gewicht liegt.
Bulimische Mädchen und junge Frauen zeigen oft ein geringes Selbstwertgefühl, dass durch die Essanfälle weiter reduziert wird.
Einhergehend mit der Bulimie sind bei vielen Betroffenen depressive Verstimmung bis hin zu Suizidversuchen zu beobachten.
Durch den Missbrauch von verschiedenen Medikamenten, die eine Gewichtszunahme verhindern sollen, kann es zu einer zusätzliche Abhängigkeit kommen.
Bulimikerinnen zeigen Merkmale mangelnder Impulskontrolle.
Viele Bulimikerinnen haben Phasen, in denen sie regelmäßig Ladendiebstähle begehen. Dies ist zum einen auf den großen Nahrungsmittelverbrauch, aber auch auf die Verwendung der genannten Medikamenten und nahrungsmittelergänzenden Vitaminpräparate zurückzuführen, die teuer sind.
Mindestens 1/3 der erwachsenen Bulimikerinnen wird wegen anderer Suchterkrankungen besonders Alkoholismus und Medikamentenabhängigkeit behandelt.
a) »Purging Typ«: regelmäßig selbst induziertes Erbrechen oder Missbrauch von Laxantien, Diurektika und/oder Appetitzüglern.
b) »Non-purging Typ«: andere kompensatorische Verhaltensweisen, wie Fasten oder exzessive körperliche Betätigung.
Bulimikerinnen sind von ihrer äußeren Erscheinung eher unauffällig, d.h. bei den meisten liegt das Gewicht im Bereich zwischen Normal- und Idealgewicht. Auffällig sind jedoch zum Teil starke Gewichtsschwankungen von bis zu 20 kg, was dazu führt, dass manche Bulimikerinnen eine Garderobe haben, die von Kleidergröße 36 bis Kleidergröße 44 reicht. Ein Verzicht auf das Erbrechen, der immer wieder probiert wird, bestätigt bei den Betroffenen die gefürchtete Gewichtszunahme und lässt den Kreislauf aufs Neue beginnen.
Die Betroffenen fühlen sich dem herrschenden Schlankheits- und Schönheitsideal stark verpflichtet. Zudem streben sie nach dem Ideal der erfolgreichen Karriere- und Familienfrau, die alles hinkriegt, möglichst mit einem hinreißenden Lächeln auf den Lippen. Zu Beginn der Essstörung sind sie oft ganz aktive Mädchen, die sich im schulischen Bereich und in Freizeitzusammenhängen engagieren.
Die Symptome werden so lange wie möglich geheim gehalten, so dass eine Bulimie über Jahre hinweg unentdeckt bleiben kann. Die durchschnittliche Dauer von Beginn der Essstörung bis zum Therapiebeginn beträgt 4 bis 7 Jahre.
Weiterhin wird davon ausgegangen, dass 80% der Bulimikerinnen sich überhaupt nicht in Behandlung begeben. Mit fortschreitender Sucht wird der Tagesablauf immer mehr von der Bulimie bestimmt. Frühere Interessen und Hobbies werden aufgegeben, soziale Kontakte können kaum mehr aufrecht erhalten werden und die Betroffenen leben immer isolierter. Die körperlichen Folgeschäden treten in der Regel nicht so schnell wie bei der Magersucht auf, da sich die Störung meist langsam aufbaut.
Angegriffenes Zahnfleisch und Zahnschmelz.
Chronische Halsschmerzen, Heiserkeit und Entzündungen und Verletzungen der Speiseröhre.
Menstruationsstörungen bzw. Ausbleiben der Menstruation.
Schäden an Leber, Bauchspeicheldrüse, Nieren.
Herz-Kreislauf-Störungen, d.h. Schwindelanfälle, Müdigkeit, aber auch Herzrhythmusstörungen.
Störungen bei der Darmentleerung. Bei Einnahme von Abführmitteln kann chronische Verstopfung entstehen.
Vitaminmangel und Störungen des Mineralstoffhaushalts.
Verschlechterung von Haut und Haaren. Auch bei der Bulimie zeigt sich, dass die Überwindung ohne therapeutische Hilfe äußerst schwierig ist.
Etwa 50 % der Bulimikerinnen sind nach 2 bis 10 Jahren symptomfrei.
20 % der Betroffenen zeigen weiterhin bulimische Symptome.
Bei den übrigen 30 % wechseln sich symptomfreie Zeiten mit Rückfällen ab. Besonders bei einschneidenden Lebensereignissen wie z.B. Auszug aus dem Elternhaus, Wohnortwechsel, Studienabschluss, Schwangerschaft kann es zu einer Veränderung der Bulimie kommen.
Es wird vermutet, dass im Erwachsenenalter die Sterblichkeitsrate bei Bulimikerinnen höher liegt als bei einer gesunden Vergleichsgruppe.
Auszug aus:
Nichts leichter als Essen?! - Essstörungen im Jugendalter
Eine Handreichung für Schule und Jugendarbeit; Stuttgart 2000, 64 S.
Herausgeber: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg
Autorinnen: Dagmar Preiß; Anja Wilser, mädchengesundheitsladen
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25.11.2003